von Leander Ross

Kleider Machen Leute!

Studien zu Folge kauft jeder Europäer im Laufe eines Jahres etwa 13 Kilogramm Kleidung, während gleichzeitig ungefähr ein Drittel der Klamotten nutzlos im Kleiderschrank liegen – ohne im Jahr zuvor einmal getragen worden zu sein. Was die meisten nicht wissen, ist dass die Modeindustrie zu den umweltschädlichsten Industriebranchen überhaupt zählt und für etwa ein Fünftel des globalen Abwassers und 10 % der Kohlendioxidemissionen weltweit verantwortlich ist. Was sich dagegen tun lässt und wie man auch in Sachen Mode auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit achten kann, dass erfahrt ihr hier.

Kleider machen Leute!

Ganz im Sinne Gottfried Kellers, dem Autoren bekannter Novelle aus grauer Vorzeit, vermag Mode, damals wie heute, so einiges. Wie wir uns fühlen und sehen, wie wir wahrgenommen werden und welche Botschaften wir senden möchten, Mode unterstützt als eine besondere Form der non-verbalen Kommunikation. Und wie in dieser alten Schullektüre beschrieben, bei dem der arme Schneidergeselle Strapinski aufgrund seiner schönen Kleider fälschlicherweise für einen Grafen gehalten wird, machen Kleider Leute, vermag Mode also über grundlegende Dinge hinweg zu täuschen [1]. Bei allem Glanz und Schein, den wir mit unserer Kleidung aussenden, vergisst man schnell, wo die Pullis und T-Shirts, welche sich in unseren Schränken stapeln, eigentlich herkommen, unter welchen Umständen diese produziert werden und welchen Preis die Umwelt dabei zu zahlen hat.

Einem Bericht der Global Fashion Agenda von 2017 nach, kauft jeder Europäer im Laufe eines Jahres etwa 13 Kilogramm Kleidung, während gleichzeitig ungefähr ein Drittel der Klamotten nutzlos im Kleiderschrank liegen – ohne im Jahr zuvor auch nur ein einziges Mal getragen worden zu sein [2]. Fast-Fashion ist in unserer westlichen Welt etwas Selbstverständliches. Eine große Auswahl an Kleidung ist jederzeit griffbereit, bei jeder Gelegenheit wir diese Auswahl noch vergrößert, ergänzt oder erneuert – was aus der Mode gekommen ist wird weggeworfen. Mode wurde irgendwann von der Gebrauchsware zur Verbrauchsware. Nichts worüber man sich groß den Kopf zerbrechen muss – außer vielleicht ob die Jacke farblich zur Hose passt!

Was die meisten nicht wissen, ist dass die Modeindustrie zu den umweltschädlichsten Industriebranchen überhaupt zählt. Einem Bericht des UN-Umweltprogramms UN Environment nach ist die Modeindustrie für ein Fünftel des globalen Abwassers und für etwa 10 % der Kohlendioxidemissionen weltweit verantwortlich – mehr als die internationale Luft- und Schifffahrt zusammen [3]! Wohingegen Flugscham mittlerweile sogar im Duden steht, drücken wir beim Thema Kleidung weitestgehend beide Augen zu. Dabei sind Umweltsorgen bei weitem nicht die einzigen Problemfelder der Textilindustrie. Spätestens seit dem verheerenden Unglück in der Rana Plaza 2013 in Bangladesch, bei dem 1135 Menschen in der einstürzenden Fabrik ums Leben kamen, wissen wir von den unmenschlichen Bedingungen, unter denen unsere T-Shirts und Socken entstehen, von den Hungerlöhnen, Kinderarbeit und den giftigen Chemikalien [4].

Müssen wir deswegen alle unter moralischem Druck und mit einem schlechten Gewissen leben oder am Besten nur noch vegane Jutelendenschürze tragen?

Nein, denn „in der Mode lassen sich viele Dinge besser machen“, sagt Juliane Kahl, Gründerin des Responsive Fashion Institutes und freie Dozentin an der Akademie Mode und Design in München, „wenn man weiß, wo die Probleme liegen“ [5]. Nachhaltiger Konsum und Mode sind keine Gegensätze, sondern vereinbar. Bewusster Konsum ist hierbei wie so oft ein Schlüssel zum (Teil-)Erfolg. So könnten wir uns beim Kauf neuer Kleidung einfache Fragen stellen: Brauche ich etwas Neues? Habe ich nicht noch etwas ähnliches im Schrank liegen? Und wenn beides verneint werden sollte: wie gut ist die Qualität und woher kommt das neue Produkt [6]?

Oftmals lassen sich Klamotten durchaus länger tragen als uns Modetrends suggerieren. Wem das zu langweilig ist, der sollte einfach seine Kleidung neu kombinieren und reparieren, sollte doch mal etwas kaputt gehen. Eine weitere Möglichkeit stellt hier Second-Hand Shopping dar. Läden gibt es fast in jeder Stadt und so manches Mal wird man von der Neuwertigkeit und Qualität der angebotenen Kleider überrascht – vom Preis sowieso! Nicht zu vergessen ist auch der relativ neue Trend der Kleidung On-Demand: Ob einmalig oder im Abo, mietet euch eure Lieblingskleidung für die nächste Zeit einfach online und schickt sie, sobald euch etwas anderes in den Sinn kommt, wieder zurück. Mietzeiten variieren hierbei zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten, die Qualität und Instandhaltung der Stücke werden regelmäßig geprüft [7]. Eine recht umfangreiche Übersicht hierzu findet ihr beispielsweise unter stylebook.de.

Gerade Klamotten besserer Qualität zahlen sich oftmals auch von wirtschaftlichen Gesichtspunkten her betrachtet aus, denn wo andere T-Shirts bereits nach einer Saison ausgeblichen in der Ecke liegen, können hochwertigere Kleidungsstücke länger genutzt werden. Hier kann man sich beispielhaft ein einfaches Kosten-Nutzen Schema vor Augen halten:

– Zahle ich für eine Hose 90 Euro und trage sie 25 Mal         = 3,60 Euro pro Nutzung

– Zahle ich für eine Hose 20 Euro und trage sie fünf Mal      = 4 Euro pro Nutzung [6]

Qualität kann sich somit oftmals auszahlen und gleichzeitig nachhaltige Werte unterstützen. Zudem gibt es die Möglichkeit, Produkte und Marken neben Qualität auch auf ihre Nachhaltigkeit hin zu überprüfen. Marken, die sich auf qualitativ hochwertige, ethische wie nachhaltige Produkte spezialisieren, gibt es dank des gegenwärtigen Trends mit jedem Tag mehr. Aufpassen sollte man hier trotzdem, Siegel ist nicht gleich Siegel und nur weil nachhaltig draufsteht, ist dem nicht unbedingt so. Die Auffassungen verschiedener Organisationen und Unternehmen, was genau nachhaltig bedeutet variieren stark.

Eine Möglichkeit stellt hier beispielsweise die Website und App Good on you dar, welche Modemarken auf Nachhaltigkeitsstandards untersucht und vergleicht. Auf diesen Seiten ist es möglich, gezielt nach einer bestimmten Marke zu suchen, wobei diese Informationen oftmals auf unternehmenseigenen Angaben beruhen und somit auch hinterfragt werden sollten. Die Clean Clothes Campaign oder die Fair Wear Foundation haben sich Ähnliches zum Ziel gesetzt, wobei diese sich zusätzlich aktiv für faire Arbeitsbedingungen einsetzen. Eine andere Möglichkeit ist die Website Utopia. Diese berichtet, ähnlich wie wir, über nachhaltige Alltagsalternativen, unter anderem auch über Mode. Wer auf anderen Webseiten oder noch besser (und CO2 neutraler) im Einzelhandel stöbern möchte, der sollte auf bestimmte Zertifikate wie beispielsweise „Grüner Knopf“ oder „GOTS“ (Global Organic Textile Standard) achten. Eine umfassende Übersicht über verschiede Siegel und Zertifikate gibt es auf siegelklarheit.de.

Wie bereits erwähnt, variieren Standards deutlich und im Endeffekt hat der Konsument hier einen deutlichen Informationsnachteil, da selbst mit viel Recherche ein Großteil an Infromationen üder Herkunft etc. im Verborgenen bleibt. Nichtsdestotrotz kann bewusster Konsum bestimmter Marken helfen, die prekäre Situation zu entschärfen. Die sicherste Methode bleibt allerdings nach wie vor, einfach das anzuziehen, was sowieso schon daheim im Schrank liegt.

Passt schon!

  1. Keller, G.: Gottfried Kellers sämtliche Werke. Schroll, Wien.
  2. Watson, D., PlanMiljø, Eder-Hansen, J., Tärneber, S.: A CALL TO ACTION FOR A CIRCULAR FASHION SYSTEM. Global Fashion Agenda 2017.
  3. Environment, U.N.: Putting the brakes on fast fashion, http://www.unenvironment.org/news-and-stories/story/putting-brakes-fast-fashion, last accessed 2020/02/10.
  4. König, K.: Wie ihr beim Kleiderkauf auf Nachhaltigkeit achten könnt › ze.tt, https://ze.tt/wie-ihr-beim-kauf-von-kleidung-auf-nachhaltigkeit-achten-koennt/, last accessed 2020/02/09.
  5. Gerlach, F.: Mode in München: Juliane Kahl im Interview, https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-nachhaltige-mode-interview-1.4634166, last accessed 2020/02/10.
  6. Scherff, V.: 3 simple Fragen, die uns die Wegwerfmode abgewöhnen, https://utopia.de/ratgeber/fast-fashion-wegwerfmode/, last accessed 2020/02/10.
  7. Kleidung online mieten – die besten Adressen | STYLEBOOK, https://www.stylebook.de/fashion/kleidung-online-mieten, last accessed 2020/02/17.



Leander fühlt sich vor allem wohl, wenn er draussen im Grünen ist. Ob im heimischen Schwarzwald, den Anden Südamerikas oder den Wüsten und Steppen Zentralasiens, faszinierende Orte gibt es genug! Um diese auch zu erhalten und es möglichst vielen zu ermöglichen, solche auch in Zukunft bewundern zu können, ist Leander hier bei Wasistgrün.de mit dabei. In der Zeit zwischen den Reisen studierte Leander Kulturwirtschaft und Business Administration an der Universität Passau und Napier University Edinburgh und ist derzeit im CEMS Master International Management an der Universität zu Köln und Stockholm School of Economics eingeschrieben. Des weiteren kocht Leander gerne und verbringt viel Zeit auf dem Rad oder beim Wandern - im Grünen eben!

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